Beispiele zur Zoneneinteilung ▪ Hinweise ▪

Vorbemerkung:
  • Flüssiggasanlagen müssen für die am Arbeitsplatz gegebenen Bedingungen geeignet sein [§ 4 Abs. 1 BetrSichV].
  • Da Gasgeräte grundsätzlich nur aus der Gasphase betrieben werden dürfen, ist Flüssiggas nur aus aufrecht stehenden Flüssiggasflaschen zu entnehmen.
  • Flüssiggasanlagen zu Brennzwecken bestehen grundsätzlich aus (Abb. 1):
    • Versorgungsanlage (Flüssiggasflasche(n)),
    • Druckregelgerät,
    • Sicherheitseinrichtungen, wie z. B. Überdrucksicherheitseinrichtung, Sicherheitsabsperrventil, Schlauchbruchsicherung,
    • Leitungen (Schlauch-, Rohrleitung),
    • Verbrauchseinrichtung (Gasgerät).

    Abb. 1: Beispielhafte Flüssiggasanlage

  • Zum Betreiben der Flüssiggasanlage wird vorausgesetzt, dass nach jedem Flaschenwechsel die Dichtheit der zum Flaschenwechsel gelösten Verbindungsstellen (z. B. Verschraubung Flaschenabsperrventil/Druckregelgerät) geprüft wird - nach erfolgter Herstellung der Anschlussverbindung (z. B. Flaschenabsperrventil/Druckregelgerät) und vor Inbetriebnahme der Flüssiggasanlage. Durch den Nachweis der Dichtheit kann man davon ausgehen, dass keine gefährliche explosionsfähige Atmosphäre (mehr als 10 Liter) beim Betrieb auftritt. Also ist - unter Berücksichtigung der oben genannten Bemerkungen - beim Betreiben der Flüssiggasanlage im Normalbetrieb keine Zone vorhanden.

    Die Dichtheitsprüfung ist unter Betriebsdruck - geöffnetes Flaschenabsperrventil und geschlossene Geräteabsperrarmatur - mit z. B schaumbildenden Mitteln (Lecksuchspray) durchzuführen (Abb. 2).

    Abb. 2: Beispielhafte Dichtheitsprüfung mittels Lecksuchspray

Zur Zoneneinteilung wird somit immer nur die Gasmenge betrachtet, welche beim Flaschenwechsel freigesetzt wird bzw. das Volumen des dann vorhandenen Gas-/Luftgemisches.

1. Flüssiggasanlagen (Einflaschenanlagen) in Räumen oder im Freien

Voraussetzung:
  • Die Gasversorgung erfolgt aus einer einzelnen Flasche.
  • Das Druckregelgerät ist direkt an das Flaschenabsperrventil angeschlossen (Abb. 3,4).

    Abb.3: 11-kg-Flüssiggasflasche mit direkt an das Flaschenabsperrventil angeschlossenem Druckregelgerät (Druckregelgerät mit integrierter Überdrucksicherheitseinrichtung)


    Abb. 4: 33-kg-Flüssiggasflasche mit direkt an das Flaschenabsperrventil angeschlossenem Druckregelgerät (Druckregelgerät mit Sicherheitsabsperreinrichtung (SAV) und Leckgassicherheitsabblaseventil (PRV))


  • Beim Flaschenwechsel ist mit gefährlicher explosionsfähiger Atmosphäre nicht zu rechnen, wenn die austretende Gasmenge auf das eingeschlossene Volumen zwischen Flaschenabsperrventil-Ausgangsbereich und Druckregelgerät-Eingangsbereich begrenzt ist.

→ Es ist keine Zone vorhanden. Jedoch sind Zündquellen im Nahbereich des Flaschenabsperrventils bzw. des Druckregelgerätes während des Flaschenwechsels zu vermeiden.

Begründung:
  • Beim Flaschenwechsel werden unter Berücksichtigung der nachfolgenden Hinweise weniger als 10 Liter explosionsfähige Atmosphäre (→ Gas-/Luftgemisch) freigesetzt. Somit ist keine Zone vorhanden.
  • Da jedoch beim Flaschenwechsel - durch die austretende Gasmenge zwischen Flaschenabsperrventil-Ausgangsbereich und Druckregelgerät-Eingangsbereich - ein Gas-/Luftgemisch auftritt, sind in Folge der austretenden Gasmenge Zündquellen im Nahbereich des Flaschenabsperrventils bzw. des Druckregelgerätes während des Flaschenwechsels zu vermeiden.

Hinweis:
Bei dieser Betrachtung wird vorausgesetzt, dass vor und für den Zeitraum des Flaschenwechsels entweder
  1. zuerst das Flaschenabsperrventil geschlossen wird; das im Leitungssystem befindliche Gas wird verbrannt und anschließend wird die zugehörige Absperreinrichtung der Verbrauchseinrichtung (Geräteabsperrarmatur) geschlossen oder
  2. zuerst die Verbrauchseinrichtung über die zugehörige Absperreinrichtung geschlossen wird; dabei geht das Druckregelgerät in den Schließdruck. Dadurch wird verhindert, dass das zwischen dem Druckregelgerät-Ausgangsbereich und der geschlossenen Geräteabsperrarmatur befindliche Gas „rückwärts“ über das Druckregelgerät austritt (Abb. 5 - „blaues“, eingespanntes Gasvolumen).

    Anschließend wird das Flaschenabsperrventil geschlossen. Die beim Flaschenwechsel zu betrachtende Gasmenge berechnet sich hierbei aus dem Volumen, das zwischen dem geschlossenen Flaschenabsperrventil und dem in der Anlage eingebauten Druckregelgerät* vorhanden ist (Abb. 5 - „rotes“, austretendes Gasvolumen). Wenn das austretende Gasvolumen zwischen dem geschlossenen Flaschenabsperrventil und dem Druckregelgerät* bei Umgebungsdruck weniger als 0,2 Liter beträgt, ist nicht mit einer gefährlichen explosionsfähigen Atmosphäre zu rechnen.

    *Druckregelgerät einschließlich vorhandener Sicherheitseinrichtungen wie
    • Sicherheitsabsperreinrichtung (SAV) und Leckgassicherheitsabblaseventil (PRV) oder
    • Überdrucksicherungseinrichtung (siehe auch § 11 Abs. 4 BGV D34).

    Bei Einsatz der oben genannten, handelsüblichen Druckregelgeräte einschließlich der Sicherheitseinrichtungen werden weniger als 0,2 Liter Gas beim Flaschenwechsel freigesetzt. Unter Berücksichtigung der unteren Explosionsgrenze von Flüssiggas treten somit weniger als 10 Liter Gas-/Luftgemisch auf.

  3. Abb. 5: Austretendes und eingespanntes Gasvolumen beim Flaschenwechsel


  4. Wenn bei Flüssiggasanlagen mit einem Betriebsdruck von über 50 mbar bis 4 bar* der Schließdruck des Druckregelgerätes nicht erreicht wird, kann beim Flaschenwechsel Gas aus dem Leitungssystem und dem Druckregelgerät-Ausgangsbereich in gefahrdrohender Menge entweichen (Abb. 5 - „blaues“ Gasvolumen). Gefährliche explosionsfähige Atmosphäre bzw. eine Zone wäre dann vorhanden. Um dies auszuschließen, ist vor dem Flaschenwechsel das Flaschenabsperrventil der Flüssiggasflasche zu schließen und das im System befindliche Gas zu verbrauchen (z. B. verbrennen).

    *Flüssiggasanlagen mit einem Betriebsdruck von über 50 mbar bis 4 bar sind z. B. Anlagen zum Anwärmen, Abbrennen, Aufschweißen.

Werden jedoch die oben genannten Hinweise nicht erfüllt, ist eine Zone 2 vorhanden. Die Zone 2 existiert dann im Nahbereich in Abhängigkeit von der austretenden Gasmenge. Die Zone hat einen Radius (r) mit r = 0,5 m um die gelöste Verbindungsstelle (Flaschenabsperrventil bzw. Druckregelgerät).