Brand- u. Explosionsschutz bei Flüssiggasbehälter
Brand- u. Explosionsschutz bei Flüssiggasbehälter

Alles richtig gemacht?

Brand- u. Explosionsschutz bei Flüssiggasbehälter
Brand- u. Explosionsschutz bei Flüssiggasbehälter

Korrekter Brand- und Explosionsschutz für ortsfeste Flüssiggasbehälter ist gar nicht so einfach

von Rolf Schwebel
Akzente 3/2010 | Magazin für Arbeitssicherheit, Gesundheitsschutz und Rehabilitation

Flüssiggas hat ein besonderes Gefährdungspotenzial, das zu einer ausschließlich fachgerechten Benutzung der gesamten Flüssiggasanlage zwingt. Unfälle und Überprüfungen von Anlagen mit Flüssiggastanks in Betrieben zeigen immer wieder, dass der geforderte fachgerechte Um-
gang manchmal gar nicht so einfach ist. Wo z.  B. sind Schutzbereiche erforderlich und wie groß müssen sie sein?


Flüssiggastanks, so genannte ortsfeste Flüssiggasbehälter, werden oberirdisch bzw. halboberirdisch aufgestellt oder erdgedeckt eingelagert. In diesen ortsfesten Flüssiggasbehältern (Druckgeräte gemäß Betriebssicherheitsverordnung) liegt das Flüssiggas in der flüssigen und gasförmigen Phase vor. Nachfolgend ein Überblick über bei der Aufstellung und beim Betrieb von Flüssiggastanks zwingend notwendige Schutzmaßnahmen.

Schutzmaßnahmen im Freien
Folgende grundlegenden Regeln und Schutzmaßnahmen sind immer einzuhalten:
  • Es ist grundsätzlich verboten, Flüssiggastanks in Durchgängen, Durchfahrten, auf Verkehrswegen mit eingeschränkter Mindestbreite sowie auf Rettungswegen aufzustellen.
  • Flüssiggastanks müssen vor Eingriffen Unbefugter geschützt sein – durch Einschluss der Armaturen oder Umfriedung bzw. Umzäunung des Behälters.
  • Zwischen Flüssiggastank und offenen Schächten, Kanälen, ungeschützten Kanaleinläufen, Öffnungen zu tiefer liegenden Räumen oder Luftansaugöffnungen muss ein Schutzabstand von mindestens 5m eingehalten werden.
  • Behälter und Ausrüstungsteile müssen durch Anfahrschutz oder ausreichenden Schutzabstand vor mechanischer Beschädigung geschützt werden.
  • Flüssiggastanks müssen vor Brandlasten wie z.B. brennbaren Stoffen (Benzin, Fette, Öle), Holzschuppen, Holzstapeln geschützt werden. Entweder durch einen Schutzabstand von in der Regel mindestens 5m oder durch eine Schutzwand, durch Erddeckung, durch eine Brandschutzdämmung oder durch eine Wasserberieselung.
  • Der Flüssiggastank muss ausreichend umlüftet sowie für die Bedienung, Instandhaltung und Wartung zugänglich sein. Das wird in der Regel durch einen Abstand von mindestens 1m zu Gebäuden, Wänden etc. erreicht.
Spezifische Aufstellungsbedingungen können weitere Schutzmaßnahmen erfordern.

Oberirdischer Flüssiggasbehälter mit Zone 2: 1 m um das Füllventil und kegelförmig bis zum Boden, am Boden r = 3 m
Oberirdischer Flüssiggasbehälter mit Zone 2: 1 m um das Füllventil und kegelförmig bis zum Boden, am Boden r = 3 m

Mehr Infos sowie die einschlägigen Regelungen in der BGN-Internetrubrik »Wissen kompakt – Flüssiggasanlagen«

Mitarbeiter der BGN-Prävention beraten Sie auch gerne vor Ort.
Fon 0621 4456-3517


Ex-Zone festlegen
Zwingend notwendig sind auch Maßnahmen zum Brand- und Explosionsschutz während des Betriebs der Flüssiggasanlage. Hierzu gehört insbesondere zu verhindern, dass sich gefährliche explosionsfähige Atmosphäre entzündet. Und zwar durch die beiden folgenden Maßnahmen:
  • Um mögliche betriebsbedingte Gasaustrittsstellen wie das Füllventil ausreichend bemessene explosionsgefährdete Bereiche (»Ex-Zonen«) festlegen.
  • Zündquellen in diesen Bereichen vermeiden.
Nach jedem Befüllen des Behälters tritt Flüssiggas beim Entspannen des Vollschlauchsystems bzw. der Füllpistole aus. Und zwar in einer solchen Menge (gefahrdrohende Menge), dass besondere Schutzmaßnahmen erforderlich werden. Die Gefährdungsbeurteilung des Betreibers müsste diese so beschriebene Gefährdung enthalten. In dem daraus resultierenden Explosionsschutzdokument muss er insbesondere die Zoneneinteilung und die hierfür abzuleitenden Sicherheitsmaßnahmen darstellen.
Für oberirdische und halboberirdische Flüssiggasbehälter gilt Zone 2. Diese Zoneneinteilung gilt aber nur unter der Voraussetzung, dass die Entnahme aus dem Flüssiggasbehälter aus der Gasphase erfolgt und der Behälter nur wenige Male pro Jahr befüllt wird.
Zone 2 bedeutet: Es handelt sich um einen Bereich, in dem bei Normalbetrieb eine gefährliche explosionsfähige Atmosphäre als Gemisch aus Luft und brennbaren Gasen (wie Flüssiggas) normalerweise nicht oder aber nur kurzzeitig auftritt.

Zündquellen in Zone 2?
Ganz konkret stellen sich hier Fragen in Bezug auf mögliche Zündquellen in Zone 2. Dürfen Zündquellen innerhalb der Zone 2 eingebracht werden – z.B. während Instandhaltungsarbeiten am Behälter? Dürfen Fahrzeuge mit Verbrennungs- oder Elektromotor in nicht explosionsgeschützter Ausführung in Zone 2 hineinfahren? Was ist mit Rasenmähen?
Arbeiten, bei denen wirksame Zündquellen auftreten, können innerhalb der Zone 2 unter bestimmten Bedingungen durchgeführt werden. Denn es ist ja bekannt, wann mit gefährlicher explosionsfähiger Atmosphäre zu rechnen ist - nämlich nur direkt nach dem Befüllen des Flüssiggastanks. Außerdem werden nach dem Befüllen die hierzu betätigten Armaturen auf Dichtheit geprüft. Bei Nachweis der Dichtheit kann man davon ausgehen, dass keine gefährliche explosionsfähige Atmosphäre im Bereich des Flüssiggasbehälters mehr auftritt. Zündquellen können somit innerhalb der Zone 2 – nach dem Befüllen und nachgewiesener Dichtheit – eingebracht werden.
Erstreckt sich die Zone 2 auf Nachbargrundstücke oder auf öffentliche Verkehrsflächen, muss immer sichergestellt sein, dass die Anforderungen an die Zone 2 zum Zeitpunkt des Befüllens eingehalten sind. Geeignete Maßnahmen können sein:
  • Kontrolle des Arbeitsumfeldes zur Vermeidung wirksamer Zündquellen oder
  • Einschränkung des explosionsgefährdeten Bereichs durch bauliche Maßnahmen an maximal zwei Seiten, z.B. öffnungslose Wände bzw. Abtrennungen aus nicht brennbaren Baustoffen.

Selbstverständlich sind außerdem
  • die einschlägigen Gefahrenhinweise am Behälter vorhanden,
  • der Alarmplan aufgestellt,
  • geeignete Feuerlöscheinrichtungen bereitgestellt, z.B. 6-kg-Löscher mit den Brandklassen abc,
  • die Betriebsanweisung den Beschäftigten bekannt gemacht worden,
  • die Unterweisung der Beschäftigten dokumentiert und
  • die erforderlichen Prüfungen
    des Flüssiggasbehälters durchgeführt.

Flüssiggas ist schwerer als Luft und leicht entzündbar. Seine thermische Ausdehnung ist extrem hoch, seine untere Explosionsgrenze ist extrem niedrig. Aufgrund dieser Eigenschaften hat Flüssiggas ein besonderes Gefährdungspotenzial.