Flüssiggas verzeiht keinen Fehler

Es ist Weihnachtsmarktzeit. Viele Grills, Pfannen und Heizgeräte dort werden mit Flüssiggas betrieben. Immer wieder kommt es zu Bränden und Unfällen mit Flüssiggas. Woran liegt das?
Der Hauptgrund ist die oft fehlende Fachkenntnis beim Umgang mit Flüssiggasanlagen. Wer sich nicht richtig auskennt, macht Fehler. Ich sage immer: Flüssiggas verzeiht keinen Fehler.
Ein einziger Fehler, durch den eine undichte Stelle entsteht, reicht. Strömt das Brenngas an dieser Leckage unbemerkt aus, sammelt es sich am tiefsten Punkt in der unmittelbaren Umgebung an. Augenblicklich entsteht eine gefährliche explosionsfähige Atmosphäre. Die nächste Zündquelle wird sie zünden. Das kann eine brennende Zigarette sein oder es sind winzige Funken beim Einund Ausschalten von Elektrogeräten. Die Folge sind dann häufig schwerste Brandverletzungen.

Was sind die häufigsten Fehler beim Einsatz von Flüssiggas?
Der Betreiber weiß nicht, wie man eine dichte Verbindung zwischen Druckregelgerät und Flaschenventil herstellt. Fehler Nummer eins: Bei der 5 bzw. 11 kg Flasche wird die Flügelmutter des Kleinflaschenreglers oft mit zu geringer Handkraft, also zu locker, angedreht. Dann strömt an dieser undichten Stelle Gas aus.
Das bemerkt man vielleicht auch noch und will dann schnell festdrehen. Viele drehen jetzt die Flügelmutter automatisch rechtsherum und schrauben damit den Regler ab, weil er ein Linksgewinde hat. Das ist Fehler Nummer zwei. Die Folge: Jetzt strömt noch mehr Gas aus. Ist das Gasgerät schon in Betrieb, gibt es in unmittelbarer Nähe eine Zündquelle.
Deshalb ganz wichtig: Bei Gasgeruch und Undichtigkeit immer als Erstes das Flaschenventil zudrehen – am Handrad oben an der Flasche. Drehrichtung ist rechts. Damit verhindert man, dass weiter unverbranntes Gas ausströmt.

Wie stellt man denn eine dichte Verbindung zwischen Druckregler und Flaschenventil her?
Mit richtig dosierter Handkraft. Die Verbindung darf nicht zu stark festgedreht werden, aber auch nicht zu schwach. Zu stark bedeutet, dass man den Dichtring in dem Flaschenventil dauerhaft beschädigt, vor allem wenn man zum Festdrehen eine Zange benutzt. Der Fachhandel bietet deshalb eine Montagehilfe an, die genau auf die Flügelmutterkontur passt und mit der sich beim Festziehen das optimale Drehmoment erreichen lässt.
Um überhaupt eine dichte Verbindung herzustellen, ist bei der 5 und 11 kg Flasche der schwarze Dichtring im Ventilsitz wichtig. Diese Dichtung muss vorhanden und in Ordnung sein. Durch häufige Montagen mit zu hohem Kraftaufwand kann sie beschädigt sein oder sie geht verloren. Also auch auf den Dichtring müssen Betreiber achten.

Kann man überprüfen, ob die Verbindung dicht ist?
Das muss man sogar, wird aber immer wieder vergessen. Nach jedem Flaschenwechsel muss eine Dichtheitsprüfung durchgeführt werden. Das kann man mit schaumbildenden Mitteln machen, z.B. mit einem Leckgassuchspray oder auch mit Seifenlauge. Eine Blasenbildung ähnlich wie bei der Fahrradschlauchreparatur zeigt eindeutig eine gefährliche Leckage an.

Gibt es außer der undichten Verbindung zwischen Druckregler und Flaschenventil noch mehr, was man bei einer Flüssiggasanlage falsch machen kann?
Ja, wenn man ein leistungsstarkes Verbrauchsgerät, z.B. einen 24 kW Herd, an eine kleine 11 kg Flasche anschließt. Dann stimmt die Dimensionierung nicht. Die Folge: Insbesondere bei kalten Außentemperaturen kann es bei einer Entnahme großer Flüssiggasmengen aus der Gasphase zu Vereisungen an der Flasche und auch im Flaschenventil kommen. Und dann kommt kein Gas mehr durch. Der Betreiber meint, die Flasche ist leer. Er schraubt den Regler ab und stellt die Flasche zur Seite. Vergisst er, das Handrad des Flaschenventils zu schließen und taut die vereiste Flasche wieder auf, kann das Gas unbemerkt aus dem noch offenen Flaschenventil ausströmen. Damit solche Störungen in der Gasversorgung gar nicht erst auftreten, muss der Installateur vorher berechnen, welche Gasmenge das Verbrauchsgerät benötigt, um störungsfrei brennen zu können.

Was muss ich als Betreiber einer Flüssiggasanlage noch wissen?
Eine Anlage auf dem Markt muss spätestens alle zwei Jahre geprüft werden. Von einer zur Prüfung befähigten Person. Das ist ein Fachmann, der feststellt, ob die Anlage dicht und funktionstüchtig ist und aus den richtigen Bauteilen besteht. Der Prüfer muss eine Prüfbescheinigung ausstellen, in der die Bauteile eingetragen sind und aus der hervorgeht, ob die Anlage sich in einem ordnungsgemäßen Zustand befindet oder nicht. Diese Bescheinigung muss der Unternehmer den Behörden vorzeigen können.

Wie finde ich einen solchen Prüfer?
Die BGN hat ein Internet Portal "Wissen kompakt – Flüssiggasanlagen". Dort gibt es auch eine Prüfer Datenbank. Ich empfehle, in dieses Internet Portal einmal reinzuschauen. Dort gibt es auch die Betriebsanweisung "Wechsel von Flüssiggasflaschen". Jeder Betreiber sollte sie kennen und damit seine Mitarbeiter unterweisen.